Ohne Kratzer und ohne Loch steht die neue Kabine in der Werkstatt, ihr geht es jetzt an den Kragen, Fenster und Klappen brauchen Öffnungen in der Sandwichwand. (Foto: Schwarz)

Ohne Kratzer und ohne Loch steht die neue Kabine in der Werkstatt, ihr geht es jetzt an den Kragen, Fenster und Klappen brauchen Öffnungen in der Sandwichwand. (Foto: Schwarz)

Das Pick Up Selbstbau-Projekt – Von der Pritsche zum Reisemobil – Teil 3 – Boden – Fenster – Dachhauben

Pick Up, Selbstbau, Technik, Wohnmobil

In unserer neuen Serie zum Thema „Selbstausbau“ begleitet das Deutsche Caravaning Institut (D.C.I.) den Auf- und Ausbau einer Leerkabine auf einen Volkswagen Doppelkabiner VW T6. D.C.I.-Autor Hans F. Schwarz berichtet in mehreren Folgen von Freud´ und Leid eines Selbstausbauers – vom Kauf der Basis und der Leerkabine, bis hin zur Zulassung und ersten Erfahrungen. Hier Teil 3.

Teil 3 – Schweizer Käse – Löcher – Öffnungen – Fenster – Dachhaube – Rückfahrkamera

Ohne einen Kratzer und ohne ein Loch steht sie in der Mietwerkstatt. Das ändert sich bald, der neuen Kabine geht es jetzt an den Kragen: Fenster, Dachluken, Revisionstürchen und die Auslässe von Heizung, Boiler und Kühlschrank brauchen Öffnungen und wollen eingeklebt werden. Aber zuerst müssen wir sicher sein, dass sie an die richtige Stelle in den Sandwichaufbau angeordnet werden, eine spätere Korrektur ist hier nicht möglich.

Erste und bewährte Methode hierfür ist die Übertragung des Grund- und Aufrisses vom Millimeterpapier des Entwurfs auf den Boden und die Wände der Kabine mit Malerkreppband. So gewinnt man den ersten Eindruck und kann in der Kabine “Probelaufen”, um Schwachstellen, genauer Engstellen, feststellen zu können.

Der Bodenbelag wird eingebracht

Sinnvoll lässt sich dies durchführen, wenn vorher der Bodenbelag in der Kabine verklebt ist. Dann kann der abgeklebte Grundriss bis zum Einbau der Möbel erhalten werden. Auf Empfehlung von Fachleuten haben wir für die Verklebung des PVC-Bodens einen Marken-Einseitkleber verwendet, der in Grenzen flexibel ist und nicht völlig durchhärtet. Er wird auf den peinlich gereinigten Kabinenboden aufgestrichen und mit einem passenden Zahnspachtel abgezogen.

 

Der Bodenbelag wird aufgerollt und dann Stück für Stück verklebt. Dabei nie mehr Kleber auftragen, als die Arme lang sind, damit der Belag nach dem Glätten ohne Mühen in das Kleberbett eingerollt werden kann. Beim Zuschneiden des Belags vor dem Einbringen werden auf allen vier Seiten jeweils ungefähr fünf Zentimeter zugegeben, die nach dem Verkleben genau an der Kante der Seitenwände und dem Boden mit dem Teppichmesser zugeschnitten werden.

So passt der Anschluss und man wird nicht wahnsinnig, wenn beim Verkleben der Belag verrutscht und dann nicht mehr richtig passt. Das passiert, wenn der Belag vorher genau auf Größen getrimmt wird. Keine Kabine ist auf den Millimeter parallel und beide Seiten gleich lang, auch die Winkel sind manchmal nicht exakt 90 Grad.

Die Kabine wird durchlöchert

Herzklopfen kommt schon auf beim Gedanken daran, dass die strahlend weiße Kabine jetzt reif ist zum Durchlöchern. Fenster, Klappen, Revisionstürchen und Wassereinfüllstutzen müssen eingebaut werden, Auspuffe für Heizung, Boiler und Kühlschrank mit Gasbetrieb wollen nach außen geleitet werden. Jetzt ist exaktes Arbeiten oberstes Gesetz, Nachlässigkeit beim Anzeichnen und Ausschneiden ist nicht mehr rückgängig zu machen.

Gerade beim Anzeichnen der Öffnung muss eine Bezugskante gewählt werden, die waagrecht liegt und von der nachher alle Maße abgehen. Oder man richtet die Kabine genau nach Wasserwaage aus und kann so beim Anzeichnen wiederum die Wasserwaage verwenden. Es soll vorgekommen sein, dass Ausbauer von Kastenwagen diesen zum Anzeichnen auf der Garagenzufahrt geparkt hatten, die Fenster dann mit der Wasserwaage genau waagrecht eingebaut haben und anschließend ewig die Steigung der Garagenzufahrt am schiefen Fenster ablesen konnten.

Erste Regel beim Anlegen von Öffnungen im Karosseriebau, und dazu zählt auch unsere Kabine, ist, keine rechtwinkligen Ecken in Ausschnitten einzubauen, sondern immer abgerundete Ecken in verträglichem Radius. Rechtwinklige Ecken führen über kurz oder lang zu Spannungsrissen in der Außenhaut und anschließendem Wassereintritt, die Folgen sind bekannt.

Deshalb werden als Erstes nach dem Anzeichnen an den vier Ecken des Ausschnitts durchgängige Bohrungen gesetzt mit mindestens zehn Millimetern Durchmesser. Damit hat man auch gleich das exakte Maß des Ausschnitts an der gegenüberliegenden Seite fixiert. Klappen mit vorgefertigten Rahmen, wie zum Beispiel die Toilettenklappe und der Gasschrank, erhalten Rundungen mit größerem Durchmesser. Hier nehmen wir Sägebohrer im entsprechenden Radius.

Vom Sägen

Jetzt geht’s in die Zielgerade, den geraden Schnitten zwischen den Eckbohrungen. Erste Versuche mit einem Winkelschneider in der geschlossenen Halle führten zu Protesten der WG-Kumpel. Unerträglich der feine Staub durch die GfK-Oberfläche, der sich sofort in der ganzen Werkstatt verbreitete. Versuche mit der Stichsäge und Hartmetall-Sägeblättern scheiterten an dem schnellen Verschleiß der Sägeblätter beim Sägen in den GfK-Sandwichwänden. Glasfaserverstärkte Kunststoffe gehören zu den abrasiven Werkstoffen und verlangen spezielle Sägeblätter für glasfaserverstärkte Kunststoffe, die den hohen Verschleiß normaler Sägeblätter ausbügeln.

Deren besondere Zahnform sorgt für optimales Ergebnis. Bleibt als letzter Versuch eine Oszillationssäge, bekannt auch als Vibrationssäge. Das Arbeiten geht zwar nicht ganz so flott wie mit der Stichsäge, aber die Ergebnisse sind, nach einiger Übung, ganz gut und wir bleiben bei dieser Methode. Auch wenn sie verlangt, innen und außen getrennte Schnitte auszuführen, da die Sägeblätter zu kurz sind für das Durchsägen der Sandwichwände.


In der nächsten Folge 4 geht es um den Möbelbau und den Einbau von Trennwänden in die Kabine


Hier geht´s zu Teil 1 der Selbstbau-Serie

Hier geht´s zu Teil 2 der Selbstbau-Serie

Hier geht´s zu Teil 4 der Selbstbau-Serie

Hier geht´s zu Teil 5 der Selbstbau-Serie


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Hans F. Schwarz